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Datensicherheit in Zeiten diplomatischer Erkältungen

18. November 2013 In: Allgemein

Das deutsch-amerikanische Verhältnis hat schon viele Höhen und Tiefen durchlebt – es hat den KGB und die Stasi, Saddam Hussein und die britischen Bedenken gegenüber einer deutschen Wiedervereinigung überstanden, und doch knirscht derzeit so viel Sand im Getriebe wie niemals zuvor. Und das nur, weil ein ehemaliger Geheimdienstmitarbeiter sein Gewissen hinterfragt hat. Nun könnte man meinen, was interessiert mich dieser diplomatische Schnupfen? Sehr viel, da diese Enthüllungen zeigen, wie leicht Daten abgefangen, ausgewertet und verwendet werden können, ohne dass wir uns dessen bewusst sind.

Die großen Player sammeln schon sehr lange unsere Daten, erstellen Profile über Kauf- oder Nutzungsverhalten, um uns so noch besser und noch gezielter ihre Produkte schmackhaft zu machen. Gut, das ist kein Beinbruch, schießlich haben im besten Fall beide Seiten etwas davon. Was aber, wenn wichtige Unternehmensdaten davon betroffen sind? Mark Semmler, bekannter Ex-Hacker, hat auf unserem diesjährigen Partnertag eindrucksvoll demonstriert, wie leicht ein jeder an sensible, persönliche und vertrauliche Daten kommen kann, die nur unzureichend gesichert sind.

Dass wir alle, die wir uns im weltweiten Netz bewegen, diesem potentiellen Risiko ausgesetzt sind, ist keine neue Erkenntnis. Was aber tun, um mehr Sicherheit zu schaffen? Stecker ziehen und offline leben? Lieber nicht, schließlich haben wir uns an all die Bequemlichkeiten und Vorzüge des Internets schon zu sehr gewöhnt. Kleiner Tipp am Rande: Der Sicherheit wegen sollte man eventuell auf chinesische Bügeleisen verzichten. Viel wichtiger, um der Sache wieder den nötigen Ernst zu verleihen, wäre es jedoch, seine Firewall zu aktivieren und so den Zugriff von außen deutlich zu erschweren. (Wenn Sie jetzt lachen, so ist ein Vortrag von Mark Semmler sehr empfehlenswert.) Sinnvoll ist auch, bei der eingesetzten Sicherheitssoftware auf ein deutsches Unternehmen zu setzen, das nicht dem Patriot Act unterliegt, wie wir in diesem Artikel bereits angemerkt haben.

Wer seine Daten vor dem Zugriff anderer schützen und sie dennoch in der Cloud speichern möchte, sollte auf europäische Anbieter bzw. Server setzen. Firmendaten sollten außerdem immer zusätzlich verschlüsselt übertragen werden. Die jüngst bekannt gewordenen Enthüllungen über die NSA sind also kein Anlass für einen grundsätzlichen Verzicht auf die Cloud oder IT-Dienstleistungen, vielmehr sind sie ein Appell an die Weitsicht aller Verantwortlichen beim Thema Datensicherheit. Das Gleiche gilt übrigens für die Herren Diplomaten…


John Stuart Mill, die Privatsphäre und der digitale Radiergummi

27. Januar 2011 In: Allgemein

Privatsphäre ist spätestens seit Zuckerberg, Myspace und Twitter ein Relikt analoger Zeiten. Wir bewegen uns immer öfter und immer selbstverständlicher in virtuellen Netzwerken, hinterlassen dort digitale Spuren und mehr oder weniger privaten Sermon.

Ja, wir wollen das so und ja, wir sind angefixt vom omnipräsenten Gedanken “ich könnte etwas verpassen“. Aber möglicherweise soll nicht alles, was wir im Laufe unseres Lebens im World Wide Web veröffentlichen, dort auch für die Ewigkeit in Einsen und Nullen zementiert sein. Manche Bilder, die wir in Facebook oder anderen sozialen Netzwerken veröffentlichen, erscheinen uns im Nachhinein vielleicht peinlich; mancher Blogpost wurde womöglich aus einer spontanen Laune heraus veröffentlicht.

Pech gehabt, folgt man der Mill’schen Theorie der Eigenverantwortung, denn schließlich ist jeder für sein Handeln selbst verantwortlich. Für alle Hilfsbedürftigen der Solidargemeinschaft hat Vater Staat jetzt ein Projekt der Universität des Saarlandes unterstützt, welches vorerst Bilder, in naher Zukunft auch andere Daten wie Blogs, Webseiten, Videos oder E-Mails mit einem Verfallsdatum versieht. Der digitale Radiergummi namens X-pire verschafft also all denjenigen ein ruhiges Gewissen, die ihrem eigenen Verantwortungs­bewusstsein nicht so recht trauen. Von den technischen Unzulänglichkeiten dieses Programms einmal abgesehen, stellt sich die Frage, ob es nicht den Gedanken des Web  konterkariert?

Hat ein Blogeintrag, der nach vier Wochen nicht mehr abrufbar ist, überhaupt eine Daseinsberechtigung? Eindeutig nein. Mag das Internet die Informationsflut und den Gedankenaustausch noch so sehr beschleunigt haben, ein Beitrag auf Zeit entspricht der Philosophie ebenso wenig wie Zensur.

Der digitale Radiergummi kann jugendlichen Leichtsinn rückgängig machen, doch verantwortungs­bewussten Umgang mit Social Media kann er uns nicht lehren – hier ist die gesamte Internet­gemeinschaft gefragt.

Dass potentielle Arbeitgeber ihre Bewerber auf digitale Hinterlassenschaften abklopfen, kann laut einer Studie der Universität Erfurt in Zusammenarbeit mit dem Stellenmarkt Monster ebenfalls nicht mehr als Argument für ein Verfallsdatum angeführt werden. Denn laut dieser Untersuchung interessiert sich die große Mehrheit der Personalverantwortlichen nicht für die Party-Vergangenheit ihrer Bewerber.

Eine zeitliche Begrenzung für Daten des Internets scheint also nicht notwendig, ein sensibler Umgang eines jeden Nutzers mit selbigen indes sehr wohl. Sie können versichert sein, dass wir von EBERTLANG uns dieser Verantwortung bewusst sind. Daher werden wir auch in Zukunft unsere Daten für die Ewigkeit bereitstellen und sie daran teilhaben lassen.


Privatsphäre und Datenschutz – Viva Don Quijote!

10. Februar 2010 In: Allgemein

Über das Thema Privatsphäre und Datenschutz im Internet wurde schon viel geschrieben. Da überträgt sich ein renommierter Software-Hersteller mit der Nutzung seines Online-Dienstes zur Bildbearbeitung per AGB die Rechte an den Bildern seiner Kunden einfach selbst und der Betreiber einer erfolgreichen Suchmaschine will mit der soeben angekündigten Social-Media-Plattform nicht mehr nur unsere liebsten Suchbegriffe auswerten, sondern die E-Mail-Adressen, an die wir die meisten Mails senden oder die Bilder, die wir uns online am liebsten anschauen – um nur einiges zu nennen – gleich dazu.

Auch wenn der Kampf gegen die eigene Transparenz im Internet ein wenig an Don Quijote und die Windmühlen erinnern mag, man kann dennoch etwas tun:

  • Den Wissenshunger von Google Analytics stoppt man so.
  • Interessenbezogene Google-Werbung schaltet man hier ab.
  • DoubleClick, dem größten Online-Werber, schiebt man hier einen Riegel vor.
  • Yahoo!, MediaPlex, Microsoft Advertising und zwei Dutzend anderen Nervensägen klopft man hier auf die Finger.
  • Die kaum bekannte aber äußerst penetrante Neugierde des Flash Players stellt man hier und hier ab.
  • Der Google-Webprotokollierung zeigt man hier die rote Karte.
  • Und die Google-Webhistory wird hier zur History.