Von Wischern, Cyborgs und einem Glas

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Es ist noch gar nicht so lange her, da war das hektische Klicken des Joysticks fester tonaler Bestandteil vieler Kinder- und Jugendzimmer. Die vertrauten Geräusche des schwarz-roten Spaßknüppels sind längst verhallt – inzwischen sind wir alle zu „Wischern“ geworden, dem Smartphone sei Dank. Geht es nach Google, dem Quasi-Monopolisten unter den allwissenden Suchmaschinen, so wird dieser noch recht junge Trend der Daumen-Motorik schon bald wieder der Vergangenheit angehören: Das Projekt „Google Glass“ soll die nächste Evolutionsstufe moderner Kommunikation werden und die Verschmelzung der realen mit der virtuellen Umgebung vorantreiben.

Wie das funktioniert? Ein Minicomputer und ein kleines Display, angebracht an einem Brillengestell, reichen, um per Sprachbefehl Fotos zu schießen, E-Mails zu senden, Informationen zu Gesehenem abzurufen uvm.

Wird Google Glass für die Masse erst einmal erschwinglich, so laufen wir also in naher Zukunft wie Cyborgs durch die Gegend, scannen unsere Umwelt und laden Informationen, Fotos oder Videos sofort ins Internet. Eng verknüpft mit sämtlichen Google-Diensten verleiht uns das „Auge“ eine ungeahnte Omniszienz und -potenz. So will es uns Google zumindest weismachen – denn ein profitorientiertes Unternehmen handelt, wer hätte es gedacht, nicht aus Nächstenliebe. Der Suchmaschinengigant erhielte mit Google Glass eine ebenfalls unvorstellbare Fülle an Informationen geliefert. Und dass personenbezogene Daten über den unternehmerischen Erfolg mehr denn je entscheiden, ist unbestritten.

Der Ausblick durch Google Glass scheint für uns Nutzer mehr als verlockend, könnte er unser Leben doch um ein Vielfaches vereinfachen. So schön die Aussichten auch sind, die Kehrseite der Medaille liegt auf der Hand: Die oftmals gescholtenen Datenschützer geben nicht ganz zu unrecht ihre Bedenken kund, dass Google Glass gegen das Persönlichkeitsrecht verstoße. Nicht nur, dass gemachte Schnappschüsse auf Googles Servern landen, mithilfe von immer besserer Gesichtserkennung würden aus anonymen Passanten erkennbare Personen – datenschutzrechtlich sicherlich mehr als bedenklich. Aber Datenschützer konnten bisher Facebook nichts anhaben, die fragwürdigen AGB von Apple nicht verhindern, und auch Google Streetview verursachte zunächst eine Welle der Empörung, was den Erfolg des Projekts aber nicht verhinderte.

Und so wird auch Google Glass – eventuell mit bestimmten Einschränkungen versehen – seinen Weg zu uns Konsumenten finden und die erweiterte Realität in unser Leben bringen. Stellt sich eigentlich nur noch die Frage, ob wir für Augmented Reality dieses Ausmaßes bereit sind. Denn eigentlich entscheiden doch die Bilder in unserem Kopf und nicht die auf irgendwelchen Servern in Berkely County.

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